Yukon - Larger Than Life

July 2, 2017

Seit unserem letzten Blog aus Delta Junction ist einige Zeit vergangen und dementsprechend hat unsere Reise in der Zwischenzeit die eine oder andere spannende Wendung genommen…

 

Nach den Höhenflügen auf dem Denali Highway folgten drei langweiligen und anstrengenden Tage (verbunden mit der einen oder anderen Sinnkrise) bis nach Tok.  Nach Tok wollten wir ursprünglich eigentlich auf dem Top of the World Highway bis nach Dawson City und weiter nach Whitehorse fahren. In Tok mussten wir wieder einmal zwei Regentage aussitzen und haben die Zeit genutzt, uns etwas intensivere Gedanken zur weiteren Route zu machen. Während den ersten zwei Reisewochen hatten wir die atemberaubende Weite und Einsamkeit dieses Landes kennengelernt. Wir wussten nun aber auch, was für Ansprüche dies an die Logistik, insbesondere die Essensversorgung, stellt.  Recherchen ergaben, dass es auf Top of the World Highway noch etwas anspruchsvoller sein würde, unterwegs Lebensmittel und Wasser aufzustocken. Zudem war die Angst vor Bären immer noch sehr präsent und wir bevorzugten, wenn immer möglich, auf State Park Campgrounds mit bärenfesten Food-Lockern zu übernachten. Diese Gründe und unser Wunsch, möglichst bald in den Süden zu kommen, haben unsere Entscheidung bekräftigt, den Top of the World Highway auszulassen und auf dem direkten Weg Richtung Whitehorse zu fahren. Rückblickend war diese Entscheidung für uns die richtige und wir haben die Routenänderung nie bereut. 

 

 

Vollbepackt mit Essen für 7 Tage sind wir aus Tok in Richtung kanadische Grenze losgefahren. Einen Tag später haben wir Alaska verlassen und sind nach ziemlich genau 1000 km Velofahren in Kanada eingereist. Auch im Yukon wartete eine atemberaubenden Landschaft auf uns und wir verbrachten die Nächte auf meist wunderschön gelegenen State Park Campgrounds (oder auch mal vor einer Kirche).

 

Obwohl Eveline immer noch ab und zu in der Nacht Horden von Bären ums Zelt tanzen hörte, haben wir erst kürzlich zum ersten Mal einen «echten» Bären gesehen: Am Ende einer Mammutetappe von 140 km, als wir um 21:00 langsam aber sicher entkräftet unserem Ziel entgegen fuhren, hatten wir die erste Bärenbegegnung. Genauer gesagt sahen wir eine Grizzly Mutter mit zwei kleinen Jungen direkt am Strassenrand. Glücklicherweise hatten uns ein Autofahrer frühzeitig gewarnt, sodass wir nicht blindlings in die Bärenfamilie reingerauscht sind.  Da die Bären auch nach Rufen und Winken keine Anstalten machten, sich vom Strassenrand zu verziehen, sind wir schlussendlich in Deckung von einem Wohnmobil ca. 3 Meter an ihnen vorbeigefahren. Vor lauter Aufregung und Herzklopfen haben wir leider nicht mal ein Foto gemacht...

Die zweite Bärenbegegnung hatte Eveline während einem Fotostopp: Philipp wollte ein Foto von Eveline auf dem Velo schiesse, als sie plötzlich einen Bären im Gebüsch am Strassenrand entdeckte. Da sich Eveline vor der Reise intensiv auf Bärenbegegnungen vorbereitet hatte, hat sie in dieser Situation (fast??) alles richtig gemacht: Nach dem Aufgeschriene «oooh, e Bär!!», hat sie abrupt umgedrehte und ist in die entgegengesetzte Richtung pedaliert. Beim erneuten Nachschauen mit Philipps Begleitschutz war der Bär weg – und bis heute weiss niemand so recht, ob er wirklich je dort war…

 

 

Nebst den vielen (harmlosen) Wildtieren fasziniert uns täglich die unglaubliche Weite und Unberührtheit der Natur, die wir hier oben in Alaska wie auch im Yukon antreffen. Auch die Strassen sind quasi ähnlich Menschenleer, durchschnittlich kommt nur etwa alle 30 Minuten ein Fahrzeug an uns vorbei. Man fühlt sich hier schon sehr fest auf sich alleine gestellt… Das Positive ist aber, dass wir immer plaudernd nebeneinander fahren können und unsere Mittagessen ohne jegliche Störung durch ein Auto am Strassenrand einnehmen können. Wir sind ziemlich sicher, dass wir diese leeren Strassen weiter unten im Süden definitiv vermissen werden.

 

Nebst dem Radfahren gönnen wir uns auch regelmässig Ruhetag an welchen wir zu Fuss die nahe Umgebung erkunden, Wildtiere suchen und beobachten, viel lesen oder uns dem «Fötele» widmen.

 

Seit der Wegfahrt aus Delta Junction haben wir nun auch seit zwei Wochen einen neuen Reisebegleiter, welcher hartnäckig bei uns bleibt. Ihm möchten wir an dieser Stelle eine ganz spezielle Ode widmen:

 

"Wir haben dich hier oben per Zufall getroffen und du kennst dich hier erstaunlicherweise bestens aus, denn du kommst immer von dort, wo wir gerade hinwollen. Morgens wenn wir aufstehen, kommst du auch in die Gänge und verlässt uns meistens den ganzen Tag nicht. Am Mittag wenn wir Pause machen, machst auch du ab und zu Siesta. Immer bist du dann aber pünktlich zu unserer Weiterfahrt wieder da. Am Abend wenn wir langsam müde werden, kommst du so richtig in Fahrt und hältst uns ganz schön auf Trab. Trotz aller Freundschaft kannst du ab und zu durchaus etwas mühsam werden, denn du störst oft die Konversation zwischen uns beiden und zwingst uns das Hintereinanderfahre auf. Jaja, lieber Gegenwind, wir hatten dich eigentlich erst in Argentinien erwartet und hoffen daher sehr, dass du uns nicht bis dort runter so treu begleitest. 😊"

 

 

 

 

 

 

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