Fahrradfreie Zeit

July 9, 2017

Nach knapp 5 Wochen in den Sätteln sind wir in Haines angekommen. Über diesen kleinen Ort am Ende des Lynn Fjords wussten wir eigentlich nicht viel mehr, als dass Haines ein Ausgangspunkt für die wöchentliche Fähre nach Prince Rupert ist. In den letzten paar Tagen vor unserer Ankunft in Haines mauserte sich aber dieser kleine Ort vor unserem inneren Auge immer mehr zu einem ultimativen place to be: Bis jetzt bedeutete für uns ein Ortsname mit dem Wort «Junction» (=Kreuzung zweier Highways) immer ein kleiner Schritt in die Zivilisation – sprich eine Ansammlung von Häusern mit (bescheidenen) Einkaufsmöglichkeiten, Waschsalon und einer Burger-Bude.

 

 

Haines mit insgesamt sage und schreibe 2’800 Einwohner war für uns also wie die Ankunft in einer Grossstadt und frohverlockte mit allerlei fast schon vergessenen Annehmlichkeiten. Trotz strömendem Regen und vor Kälte tauben Fingern rollten wir also hochmotiviert in Haines ein und liessen es zur Feier des Tages gleich so richtig krachen: auf ein üppiges Frühstück (der Kellner war sichtlich erstaunt, dass wir nach dem ersten Frühstücksteller nicht die Rechnung wollten, sondern noch einen zweiten Teller bestellten), gönnten wir uns ein Bier in der lokalen Brauerei.

 

Dies war also der Startschuss in ein paar tolle Velofreie Tage, welche wir wirklich in vollen Zügen genossen. Haines stellte sich als ein sehr hübsches kleines Örtchen heraus, welches nebst netten Kaffees und leckeren Restaurants auch schöne Läden für lokales Kunsthandwert, eine Destillerie und eben besagte Brauerei zu bieten hat. Die imposante Bergkulisse war zwar leider grösstenteils in den Wolken. Da Haines aber angeblich im Winter eine sehr beliebte Destination zum Freeriden ist, hat Philipp insgeheim bereits Winterferien in Haines ins Auge gefasst. 

 

 

Nach zwei tollen Tagen in Haines reisten wir mit der Fähre nach Skagway – dem Nachbarsdorf von Haines am hintersten Ende des Fjords. Im Vorfeld hatten uns diverse Leute einen Besuch in diesem historischen Ort empfohlen und entsprechend waren wir sehr gespannt. Leider ist Skagway aber einer dieser Orte, die täglich von drei bis vier RIESIGEN Kreuzfahrtschiffen angefahren wird und in der Folge eine gefühlte Million Touristen die Strassen und die unzähligen Souvenirläden überschwemmen. Für unseren Geschmack war das nun definitiv zu viel des Guten und fühlte sich irgendwie etwas an wie ein Wochenende in Disneyland. Zwar gönnte wir uns auch hier leckeres Essen, besuchten die lokale Brauerei und lernten während den Free-Walking-Tours diverse spannende Details zur Geschichte von Skagway zur Zeit des Goldrush – richtig Freude hat uns dieser Ort aber insgesamt nicht gemacht.

 

Wir waren froh, als wir endlich die Fähre nach Prince Rupert besteigen konnten und freuten uns auf die zwei nächsten Tage auf dem Schiff. Per Zufall hatten wir erfahren, dass «the cool people» keine Kabine buchen, sondern auf dem Deck gratis campieren. Da wir schon ein bisschen das Gefühl hatten, dass diese Definition auch auf uns zutreffen könnte, haben wir also unseren Schlafplatz an der frischen (und recht kühlen) Meeresluft bezogen.

 

 

Das Erlebnis war sensationell und die leicht mystische Stimmung der vorbeiziehenden Inseln in der Abenddämmerung wäre sicherlich durch ein Kabinenfenster nur halb so toll gewesen. Im Verlauf der Überfahrt hatten wir mehrere Male das Glück, Wale, Seelöwen, Robben und Weisskopfadler zu sehen. Einem paar Buckelwale konnten wir in einem Hafen sogar eine ganze halbe Stunde beim Fische fangen zusehen – ein wirklich ganz schönes Erlebnis.

 

 

    

 

   

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