Rund um die Olympic Peninsula

August 8, 2017

 

Nach drei tollen Tagen in Victoria nahmen wir Abschied von Kanada und bestiegen die Fähre nach Port Angeles auf der Olympic Peninsula. Nach nun gut zwei Monaten unterwegs blicken wir auf viele tolle Erlebnisse und Begegnungen in Alaska und Kanada zurück. Wir sind nun gespannt, was uns das «mainland» der USA bescheren wird.

Einen riesengrosses Erfolg erzielten wir dann bereits bei der Passkontrolle in die USA: Der äusserst nette Zollbeamte verlängerte unser Visum noch einmal auf 6 Monate – und dies für nur läppischen 12 Dollar Bearbeitungsgebühr (oder Schmiergeld??). Bis dahin waren wir davon ausgegangen, dass Kanada nicht als Ausreiseland für die USA zählt und dass unser Halbjahres-Visum bereits Ende November ablaufen wird. Umso grösser ist nun die Freude über die unerwartete «Verlängerung», welche uns zusätzliche zwei Monate Zeit – und somit auch Flexibilität – gib. Nachdem wir die Visaverlängerung bereits schon einmal in Haines versucht hatten und dort hoffnungslos abgeblitzt waren, hat uns unser jetziger Erfolg einmal mehr gezeigt, dass man auch am Zoll scheinbar manchmal mehr und manchmal weniger Glück haben kann – und dies sogar in einem so restriktiven und komplizierten Land wie den USA.

 

Der Start auf der Olympic Peninsula war also geglückt. Den ersten Abend verbrachten wir bei Jon, einem Warmshower-Gastgeber. Es stellte sich heraus, dass Jon der Verfasser der Karte mit allen Velorouten im nördlichen Teil der Insel ist und somit das Velowegnetz wie seine eigene Hosentasche kennt. Ausgestattet mit vielen Tipps und Ideen von Jon radelten wir am nächsten Morgen los.

Die Olympic Peninsula befindet sich am nordöstlichsten Zipfel des Bundesstaates Washington und ragt in den Pazifik. Die Berge der Olympic Mountains bilden eine Barriere für die feuchte Luft, welche vom offenen Pazifik auf den Kontinenten trifft. Das Aufstauen von feuchter Luft an Bergen führt bekanntlich zu Regen – im Fall der Olympic Peninsula sogar zu extrem viel Regen: jährlich fallen hier durchschnittlich 4’000 mm Niederschlag, was dieses Gebiet zum regenreichsten Ort der ganzen USA macht. Selbstverständlich kamen auch wir in den Genuss von diesem Regen und wurden direkt am zweiten Tag so richtig durchnässt. Da das Wetter in den ersten Tagen generellrecht durchzogen war, blieben wir zwei Nächte auf dem Campingplatz in Forks und machten von dort aus einen Tagesausflug an die Strände in La Push.

Durch das spezielle feuchte Klima auf der Olympic Peninsula hat sich über die Jahrhunderte ein gemässigter Regenwald gebildet. Das einzige verbleibende (also nicht abgeholzte) Stück dieses Regenwalds befindet sich im Nationalpark. Da wir in den letzten vier Wochen fast täglich riesige Rodungsgebiete gesehen hatten, wollten wir natürlich diesen letzten Regenwald besuchen gehen. Am nächsten Tag machten wir daher einen Abstecher in den Nationalpark zum Hoh-Rainforest. Der Umweg hat sich definitiv ausbezahlt, denn der Strassenabschnitt in den Regenwald war für uns einer der schönsten auf der ganzen Insel. Wenig Verkehr, hohe moosbewachsene Bäume und ein unberührter Flusslauf machten das Velofahren zu einem Genuss.

 

Ansonsten fanden wir das Velofahren auf der Olympic Peninsula nicht wirklich berauschend. Grosse Teile der Strecke waren ausgesprochen langweilig und die Strasse waren nicht wirklich velofreundlich. Obwohl sich viele Autofahrer bemühen, Rücksicht auf Velofahrer zu nehmen, gibt es leider auch immer wieder Idioten, welche allem Anschein nach die Strasse für sich alleine gepachtet haben. Wir wurden auf unserer ganzen Reise noch nie so oft angehupt und sogar angebrüllt wie hier, das nahm uns leider manchmal wirklich etwas die Freude am Velofahren. Glücklicherweise waren die einzelnen Destinationen am Abend jeweils recht nett, was uns die Strapazen den Tag durch etwas vergessen liess. Trotzdem ist unser Fazit nach unserer Umrundung der Olympic Peninsula nur durchzogen und einmal mehr merken wir, dass «schöne» Orte für Auto-Touristen nicht zwingend auch die besten Orte für Velofahrer sein müssen.

 

Als nächstes gönnen wir uns nun ein paar Tage Auszeit in Seattle, bevor wir uns aufmachen in Richtung der Sierre Cascade Route.

 

 

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