North Cascades - vom Rauch in die Hitze

August 27, 2017

Voller Motivation starteten wir in Mount Vernon in Richtung des North Cascade Nationalparks. Was eigentlich als «Scenic Highway» angepriesen war, bekamen wir aber leider in den ersten Tagen nicht zu Gesicht. Schon seit einigen Tagen hing eine hartnäckige Rauchwolke von den Waldbränden in British Columbia in der Luft. Je weiter wir Richtung Nationalpark fuhren, umso schlechter wurde die Sicht und auch das Atmen wurde merklich mühsamer. Nach einigen Tagen begann uns die Luftqualität doch etwas zu beunruhigen und wir versuchten, mittels Google-Recherche mehr zum Verlauf der Waldbrände zu erfahren. Wir fanden einerseits heraus, dass das grosse Feuer im Okanagen-Valley mittlerweile auf 110'000 Hektaren angewachsen ist – man stelle sich das mal vor!! Wir waren nun definitiv froh, hatten wir uns damals gegen die Route ins Okanagen-Valley entschieden… Als wir ausserdem erfuhren, dass auf der anderen Seite des Washington Pass die Luft noch viel schlechter sein soll, überlegten wir uns ganz kurz eine erneute Routenänderung. Wir wollten aber beide die Sierre Cascade Route unbedingt fahren und haben uns daher doch für die «Flucht nach vorne» entschieden und sind weiter pedaliert. Die ersten Tage sahen wir wirklich nicht viel von der wahrscheinlich sehr imposanten Bergkulisse. Nur ab und zu konnten wir durch den Dunst ein paar Silhouetten der nahen Berge erahnen… 

 

Mit dem Erklimmen des Washington Pass wurde dann plötzlich auch die Sicht besser. Wir befanden uns in einer wunderbaren Bergkulisse und das Radeln war endlich wieder zum Genuss. Zum Glück sind wir nicht kurz vorher umgekehrt... Nach einer Nacht am schönen Diabolo Lake machten wir uns in aller Morgenfrühe auf den Weg zu unserem ersten «richtigen» Pass – es warteten 1'800 Höhenmeter bis zum Washington Pass auf uns.

 

Die Fahrt war schön und auch sehr anstrengend. Vor allem erstaunte uns, dass es mit zunehmender Höhe nicht kühler sondern wärmer wurde. Auf der Passhöhe war es dann so heiss, dass unsere mit Wasser benetzten T-Shirts innerhalb von 5 Minuten wieder furztrocken waren… Wir dürfen wohl zugeben, dass wir schon ein bisschen gelitten haben und überglücklich waren, als endlich der Pass erreicht war.  

 

Wirklich spannend war dann aber die Abfahrt, denn kaum hatten wir die Passhöhe hinter uns, änderte die Landschaft schlagartig. Die moosbehangenen Regenwald-Bäume waren weg, dafür herrschte Trockenheit und wir rollten in steppenähnliches Gebiet hinunter. Wir fühlten uns plötzlich wie in einer Wildwest-Filmkulisse. Es fehlten eigentlich nur noch die Indianer auf den Felskuppen über dem Tal… Zudem wartete eine Hitze auf uns, wie wir sie noch selten erlebt hatten – ganze 39,5 Grad wurden an diesem Tag im Talboden gemessen.

 

Auch hier unten waren wir wieder von einer Rauchwolke umgeben, anscheinend brannte es im Tal etwas weiter oben. Zum Glück konnten wir uns vor Ort an einem Infostand über den Zustand des Feuers informieren und stellten fest, dass unsere Route nicht gefährdet war. So rollten wir nach Winthroop runter, einem netten kleinen Ort im Western-Style.

 

In Wintroop blieben wir zwei Tage und besuchten am zweiten Tag auf Empfehlung hin (und thematisch total passend) das nahegelegene «Smokejumber Base». Bei einer privaten Führung durch einen jungen Aspiranten lernten wir, wie die «Smokejumpers» per Fallschirm zu den Waldbränden in entlegene Gebiete gebracht werden und dort quasi mit blossen Händen (bzw. Sägen und Äxten) gegen das Feuer kämpfen. Wir hatten uns in den letzten Wochen bereits oft gefragt, wie Waldbrände in einem Land mit dünner Besiedelung und spärlichem Strassennetz überhaupt kontrolliert werden können. Die wirklich spannende Tour hat uns einige Antworten darauf gegeben und unser Verständnis für das Management von Waldbränden verbessert.

 

Bei unserer Weiterfahrt hat sich glücklicherweise dann auch der Rauch etwas verzogen und wir konnten in den nächsten paar Tagen die abwechslungsreiche Landschaft bei klarer Sicht geniessen.

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