Von San Francisco zum Lake Tahoe

October 24, 2017

Nach unserer fünftägigen «Reha» in Mendocino verluden wir unsere Velos auf den gemieteten Pickup und machten uns auf den Weg nach Cotati zu Patty und Keenan. Dabei wählten wir nicht die schnellste Strecke über den Inland-Highway, sondern folgten der schmalen, kurvenreichen Küstenstrasse, wie wir es eigentlich auch mit den Velos vorgehabt hatten. Beim Anblick der imposanten Küstenlandschaft wurden wir dann doch recht wehmütig und bereuten sehr, dass wir diesen spannenden Küstenabschnitt nicht per Velo zurücklegen konnten. Mit Philipps lädierten Rippen wäre aber das Velofahren auf dieser stark coupierten Strecke sicherlich gar kein Vergnügen, bzw. unmöglich gewesen.

In Cotati wurden wir von Patty und Keenan warm Willkommen geheissen und mit einem leckeren Nachtessen versorgt. Bald fühlten wir uns schon beinahe wiederhergestellt und machten uns noch am selben Abend an die Planung der nächsten Wochen. Patty und Keenan unterstützten uns dabei mit vielen tollen Empfehlungen und Insidertipps, und sie boten uns sogar an, dass wir bei Bedarf unnötiges Gepäck bei ihnen zwischenlagern dürfen. Wir waren extrem dankbar für ihre Hilfe und gerührt ab ihrer Gastfreundschaft. Einmal mehr fragten wir uns, ob so etwas in der Schweiz auch passieren würde...?   

 

Als Erstes stand bei uns ein Ausflug nach San Francisco auf dem Programm, nicht zuletzt auch, weil Philipp seine Dokumente auf dem Schweizer Konsulat abholen musste. Bei dieser Gelegenheit nahmen wir uns vier Tage Zeit, um die Stadt zu erkunden. Nach gefühlten 100 km Fussmarsch durch die Strassen San Franciscos und dem Besuch vieler unterschiedlicher Quartiere und Sehenswürdigkeiten fiel unser Fazit zu dieser Stadt durchaus positiv aus.   

Nach dem kurzen Abstecher nach San Francisco kehrten wir nach Cotati zurück und packten unsere Taschen, um am nächsten Morgen das Mietauto abzuholen und unseren mehrwöchigen Roadtrip zu starten. Wie aber so oft in den letzten paar Monaten waren wir einmal mehr zur falschen Zeit am falschen Ort – irgendwie schein sich da ein Muster zu wiederholen… Beim Aufwachen nach einer unruhigen, stürmischen Nacht erfuhren wir, dass im Nachbarsort Santa Rosa und dem nahegelegenen Sonoma und Napa Valley über Nacht mehrere schlimme Feuer ausgebrochen waren. Ein Blick an den rauchigen Himmel verhiess nichts Gutes und die News an diesem Morgen gaben einen ersten Anhaltspunkt zum Ausmass der Katastrophe, die in der Nacht über die Region gezogen war. Glücklicherweise war das Haus von Patty und Keenan nicht akut gefährdet, trotzdem war die Stimmung an diesem Morgen angespannt und die Sorge um Freunde und Bekannte war gut spürbar. Angesichts des unklaren weiteren Verlaufs der Feuer und der grossräumigen Evakuierungen rieten sie uns, so bald wie möglich aufzubrechen und möglichst weit Richtung Osten zu fahren. Da unsere Autovermietung wegen der Feuer geschlossen war, mussten wir uns zuerst auf die Suche nach einem neuen Mietauto machen. Südlich von Cotati wurden wir schlussendlich fündig und konnten das letzte verfügbare Mietauto übernehmen. Mit vielen guten Wünschen verabschiedeten wir uns daraufhin bis auf weiteres von Patty und Keenan (und unseren Velos, die wir bei ihnen gegen Wanderrucksäcke eingetauscht hatten) und starteten etwas überstürzter als geplant unseren Roadtrip.

Unser erstes Ziel war Truckee, ein Ort in der Nähe des Lake Tahoe. Warum wir gerade nach Truckee fuhren, hatte einen guten Grund. Nämlich hatten wir irgendwann im August kurz vor dem Washington Pass Barney, einen älteren Tourenfahrer auf dem Weg an die Ostküste, kennengelernt. Nach der wirklich anstrengenden Passüberquerung bei grosser Hitze (40 Grad) hatten wir den fast dehydrierten Barney auf dem wasserlosen Campingplatz mit unserem gefilterten Flusswasser versorgt und bekocht. Wir waren im Anschluss in ein gutes Gespräch gekommen und Barney hatte uns angeboten, in seinem Ferienhaus in Truckee wohnen zu dürfen, falls wir irgendwann dort vorbeikommen sollten. Nun, ein paar Monate später, begaben wir uns also nach Truckee zu besagtem Ferienhaus, ohne zu wissen, was uns da erwarten würde. Was wir schliesslich vorfanden, überstieg unsere Erwartungen bei weitem: Ein grosses 4-Zimmer-Haus mitten im Wald für uns alleine – wirklich toll! Da Truckee ein wirklich hübscher kleiner Ort ist und sich die Gegend rund um den Lake Tahoe als richtiges Wander-Mekka entpuppte, war für uns bald klar, dass wir hier ein paar Tage bleiben werden. In den folgenden Tagen richteten wir uns also relativ fix in «unserem» Ferienhaus ein und genossen es unheimlich, für ein paar Tage ein richtiges Zuhause zu haben. Unsere Mätteli gegen ein Bett zu tauschen war auch für Philipp’s Rippen, welche von Tag zu Tag weniger schmerzten, die richtige Entscheidung. Fast die grösste Freude bereitete uns aber die grosse, toll ausgestattete Küche, wo wir nach Monaten mit eher monotonem Camping-Food endlich wieder richtige exquisite Menus kochen konnten.

Natürlich kam in den darauffolgenden Tagen aber auch das Wandern nicht zu kurz. Nachdem wir mit den Velos oft eingeschränkt waren und keine grossen Wanderungen machen konnten, genossen wir nun unsere Freiheit umso mehr und gingen fast täglich auf Wanderungen in die wunderschöne, wilde Naturlandschaft rund um den Lake Tahoe. Und nachdem wir schon bald nicht mehr an ihre Existenz geglaubt hatten, sahen wir eines Abends in einem Fluss sogar unseren allerersten Schwarzbären.

Die Zeit in Truckee verstrich wie im Flug und nach einer Woche dachten wir langsam, aber wirklich nur sehr langsam, ans Weiterfahren. Wenn wir uns nicht langsam Sorgen wegen dem ersten Schneefall und geschlossenen Passstrassen gemacht hätten, wären wir wahrscheinlich noch ewig dort geblieben... Schweren Herzens verabschiedeten wir uns aber nach acht Tagen «Erholungsurlaub» von diesem schönen Ferienhaus und machten uns auf den Weg entlang der Sierra Nevada Richtung Süden.

 

 

 

 

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