Goldener Herbst in der Sierra Nevada

November 23, 2017

 

Während der paar Tage in Truckee hatten wir uns richtig gut erholt und so machten wir uns mit neuem Elan an die Fortsetzung unseres Roadtrips durch die Sierra Nevada. Nach der Überquerung des spektakulären Monitor-Passes tauchten wir ab in die Hochebene auf der Ostseite der Sierras und waren einmal mehr beeindruckt von der markante Veränderung in Vegetation und Geologie. Nach einem Besuch in Bodi, einer Geisterstadt aus der Goldgräberzeit, fuhren wir weiter zum Mono-Lake. Der See hat keinen Abfluss und ist daher salzig und quasi ohne Leben darin. Das Interessante war für uns (und zahlreiche andere Hobby-Fotograf) vor allem die eigentümlichen Kalk- und Sandsteinformationen im und um den See. 

Die nächsten Tage verbrachten wir weiterhin im Hochtal der Eastern Sierras und erlebten dabei einen goldenen Herbst erster Güte. Anscheinend ist die Region weitherum bekannt für wunderschönen, brilliante Herbstfarben und zieht speziell im Oktober zahlreiche «Herbstfarbenjäger» aus ganz Kalifornien an. Da dies ja nun mit dem Auto möglich war, fuhren auch wir diverse landschaftlich sehr sehenswerte Umwege und genossen den Anblick der farbigen Herbstbäume inmitten einer imposanten Bergkulisse.

Natürlich kam aber auch hier das Wandern nicht zu kurz und wir unternahmen (fast ein bisschen excessiv…) Wanderungen, bis wir Blasen an den Füssen hatten. Dabei hat es uns vor allem die Region rund um Mammoth extrem angetan. Die Berge erinnerten uns stark an unsere Alpen in der Schweiz – nur ohne jegliche Zeichen von Zivilisation. Einfach wunderbar! Nicht das erste Mal hat sich Philipp vorgestellt, wie toll wahrscheinlich eine Reise hierher im Winter zum Skitouren sein würde… Seine Gedanken an den Winter kamen natürlich nicht von ungefähr, denn wir erlebten in diesen Tagen tatsächlich einen kurzen Wintereinbruch mit dem ersten Schnee und kalten, wirklich a*****kalten Nächten. Aber auch diese -8 Grad haben unsere Schlafsäcke gemeistert und wir fühlen uns jetzt gewappnet für alles, was da noch kommen mag...

Nachdem der Schnee geschmolzen und der 3000 Meter hohe Tioga-Pass wieder offen war, verabschiedeten wir uns (vorläufig) von den Eastern Sierras und fuhren weiter in den Yosemite-Nationalpark. Auch hier wartete eine supertolle Landschaft auf uns und wir waren begeistert und fast ein bisschen ehrfürchtig ab der spektakulären Berglandschaft. Während die Berge eigentlich an vielen Orten auf der Erde einigermassen ähnlich aussehen, sind die Granitformen und Steilwände im Yosemite etwas total einzigartiges. Es ist kein Wunder, dass der Yosemite bereits Ende des 18. Jahrhunderts die Siedler im Westen der USA begeistert hat und als erster Nationalpark in Amerika gegründet wurde.

Heute ist der Yosemite-Nationalpark wahrscheinlich einer der am meisten gesuchten Parks der USA und während der Sommermonate herrscht dort anscheinend Hochbetrieb. Der Oktober war somit der perfekte Zeitpunkt für unseren Besuch, denn die grossen Touristenströme waren weg, wir fanden Plätze zum Campieren und hatten vielen Wanderwege fast für uns alleine. Anscheinend wird der Oktober im Yosemite bei Kennern auch «Rocktober» genannt, denn der Herbst ist auch die perfekte Jahreszeit zum Klettern im Park. Wir waren also auf allen unseren Wanderungen mit unserem Binokular ausgerüstet und versuchten, die Kletterer in den senkrechten Steilwänden zu erspähen. Es gab wirklich fast keine Felswand, wo wir nicht mindestens eine Seilschaft darin entdecken konnten. Als Abendprogramm setzten wir uns dann jeweils an die Strasse unterhalb des legendären «El Capitan» und beobachteten die Kletterer beim Einrichten ihrer Biwaks – das fühlte sich dann etwas an wie Kino in der Wildnis, nur die Popcorn haben noch gefehlt…

Nach vier Tagen im Park hatten wir einiges gesehen und fuhren daher weiter zum Kings Canyon und Sequoya Nationalpark. Beide Parks waren deutlich weniger besucht als der Yosemite und wir genossen die eingekehrte Ruhe. Hier kam es tatsächlich vor, dass auf dem einzigen noch offenen Zeltplatz im Sequoya-Park nur gerade noch eine Handvoll Zelte anzutreffen waren. Wir führten das Fehlen von anderen Campern auf die späte Saison zurück und nicht auf das Schild, das am Eingang prominent vor Bären auf dem Campingplatz warnte. Die Quote von einem Bärenbesuch an fast jedem zweiten Tag erschien uns (also insbesondere Eveline) doch recht hoch. Nach reiflichem Überlegen und Abwägen der Alternativen beschlossen wir uns schlussendlich für den pragmatischen Weg: hinsetzen, Lunch essen und abwarten, ob sich währenddessen ein hungriger Bär anpirscht. Wenn nicht, dann würden wir unser Zelt aufschlagen und hoffen, dass wir mit einer 57% Wahrscheinlichkeit einen der Tage ohne Bärenbesuch erwischt haben. Unsere Rechnung ging dann glücklicherweise auch auf und wir verbrachten eine ruhige Nacht mit tiefem, gesundem Schlaf. Einmal mehr sind wir überrascht, wie gut man sich doch an neue, ungewohnte Situationen gewöhnen kann, wenn man diesen nur genügend lange ausgeliefert ist. Noch vor ein paar Monaten hätte uns ein solches Warnschild wahrscheinlich über alle Berge fliehen lassen… 

Natürlich schlugen wir uns aber im Sequoia Nationalpark nicht nur mit (abwesenden) Bären rum, sondern bestaunten vor allem die gigantischen Bäume und unternahmen eine schöne Wanderung durch die endlosen Wälder des Parks.

 

Nach unserer Tour durch die Parks zog es uns erneut an die Ostseite der Sierra Nevada. Da uns schon die Region beim June Lake und Mammoth sehr gut gefallen hatte, wollten wir nun auch noch dem etwas südlicher gelegenen Ort Bishop einen Besuch abstatten, denn auch da soll es angeblich sehr schöne Wanderungen geben. Das hübsche Dorf Bishop mit vielen netten Cafés und Restaurants hat uns auf Anhieb gut gefallen und auch die umliegende Berglandschaft war unglaublich schön. Nur leider hat auch hier der Herbst langsam aber spürbar Einzug gehalten… Beim Start unserer (wahrscheinlich letzten) Wanderung auf 3000 m ü. M hat uns ein eisiger Wind um die Ohren geblasen. Nach wenigen Minuten hatten wir alle unsere verfügbaren Kleider montiert, das Wetter wurde aber auch im Verlauf des Tages nicht etwa wärmer und auch der Wind nicht schwächer. Schweren Herzens mussten wir also einsehen, dass die Wandersaison in der hohen Sierra Nevada wohl oder übel nun auch für uns (und unsere dürftige Ausrüstung) dem Ende zugeht. Nach drei Tagen in Bishop entschieden wir uns daher, die Sierras definitiv zu verlassen und in wärmere Gefilde aufzubrechen.

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