Ende des Roadtrips und Abschied von den USA

December 15, 2017

Mit Schrecken mussten wir feststellen, dass wir in den letzten Wochen in einen veritablen Blogschreib-Verzug geraten sind. Das Resultat davon ist ähnlich, wie es mit vielen Sachen halt so ist: Je länger man wartet, umso schwieriger wir es, das Thema wieder aufzunehmen. Wie der Blogtitel schon verrät, haben wir die USA bereits verlassen und suchen unser (Velo-)Glück in einem neuen Land. Dementsprechend tief müssen wir nun in unseren Erinnerungen graben, um trotzdem noch eine lesenswerte Zusammenfassung unserer Erlebnisse und Fotos der letzten paar Wochen in Amerika zu erstellen.

 

Wie im letzten Blog erwähnt, haben wir uns nach den kühlen Tagen in der Sierre Nevada in eher wärmere Gefilde aufgemacht. Konkret war unser nächstes Ziel das Death Valley. Ursprünglich hatten wir eigentlich nicht geplant, so weit nach Osten zu fahren. Da uns aber ein Besuch im Death Valley von diversen Leuten wärmstens empfohlen worden war, wollten wir uns nun selber von der angeblichen Faszination dieses Nationalparks überzeugen. Anders als die meisten Reisenden, die das Death Valley nur als Durchfahrt auf dem Weg nach Las Vegas passieren, planten wir aber einen Aufenthalt von einigen Tagen in der Wüste. Trotz der anfänglich leichten Skepsis wurden wir schlussendlich nicht enttäuscht ab unserer Entscheidung - wir waren wirklich begeistert vom Death Valley.

Aufgrund der riesigen Distanzen waren wir froh über unser Auto, denn dank ihm konnten wir die Wüste mit allen tollen Orten ausgiebig erkunden. Auch hier kamen wir in den Genuss von einigen schönen Wanderungen in ausgetrocknete Flusstäler, auf Berge oder in die Sanddünen. Nebst der spektakulären Landschaft bei Tageslicht genossen wir aber auch die Nächte im Zelt. Die Ruhe der Nacht wurde nur dann und wann vom Heulen der Kojoten gestört, ansonsten war die Stille nahezu perfekt. Auch der Sternenhimmel zeigte sich ohne Lichtverschmutzung in einer Pracht, wie wir das noch selten vorher gesehen hatten. Dank dem sehr frühen Eindunkeln hatten wir so Abends jeweils ausreichend Zeit, uns ausgiebig in der Nachtfotografie zu üben.

 

Nach den Tagen im Death Valley hatte uns tatsächlich etwas das Wüstenfieber gepackt und wir peilten als nächstes den Joshua Tree Nationalpark ganz im Süden von Kalifornien an. Dieser eher weniger bekannte Park soll anscheinend ein wahres Mekka für Sternefotografen sein, daher hatten wir auch dort vor, dort ein paar Nächte im Zelt zu verbringen und die Sterne zu bestaunen/fotografieren. Uns hat im Vorfeld nicht sonderlich beunruhigt, dass der einzig buchbare Zeltplatz für besagtes Wochenende ausgebucht war - schliesslich gibt es ja noch sechs weitere «first come first serve» Plätze im Park. Bei unserer Ankunft staunten wir daher nicht schlecht, dass alle Campingplätze im und um den Park über das gesamte Wochenende voll waren. Es stellte sich heraus, dass wir unglücklicherweise ein Feiertagwochenende erwischt hatten, bei dem zudem allen Besuchern gratis Eintritt in den Nationalpark gewährt wurde. Beide Komponenten zusammen führten zu einer regelrechten Besucherüberflutung im Park. Nach einem halben Tag, den wir während gefühlt der Hälfte der Zeit mit Parkplatzsuchen verbracht hatten, ergriffen wir schlussendlich (unverrichteter Nachtfotografie-Dinge) die Flucht und fuhren zurück an die Küste.

 

Die letzten Tage unseres Roadtrips tingelten wir gemütlich der Küste entlang zurück nach San Francisco. Während dieser Tage machte sich bei uns langsam aber sicher eine Reise-Übersättigung bemerkbar. Trotz der schönen Landschaft konnten wir das Gesehene irgendwie nicht mehr gleich schätzen wir noch vor ein paar Wochen. Wir waren müde vom vielen Autofahren, müde vom ständigen Weiterreisen, müde vom Fotografieren und eigentlich auch recht müde von Amerika. Es stand also wieder einmal eine intensivere Auseinandersetzung mit unserem weiteren Reiseverlauf an. Nach über sechs Wochen Roadtrip hatten wir beide wieder grosse Lust aufs Velofahren – nur sicher nicht mehr in den USA. Auch der Reiz von Südamerika war plötzlich weg, zumal wir nach unserer eher turbulenten bisherigen Reise den Wunsch nach einer «unbeschwerten» Destination hatten. Unter Berücksichtigung des Kriteriums «Südhalbkugel = Sommer» waren wir uns relativ bald einig, dass wir nach Neuseeland weiterreisen möchten, um dort während den letzten Monaten unserer Reise noch einmal ein paar Kilometer auf unseren Velos zurückzulegen. Wir buchten also unsere Flüge nach Wellington und waren sofort voller Vorfreude auf den weiteren Verlauf der Reise und vor allem auf die baldige Rückkehr zum Velofahren.

 

Bevor wir aus den USA abreisten, unternahmen wir noch einen einwöchigen Abstecher an die Ostküste. In Allegany, wo Eveline während dem Gymer ein Austauschjahr gemacht hatte, besuchten wir ihre Gastfamilie und Freunde. Das Timing war perfekt und wir kamen sogar in den Genuss eines Thanksgiving-Truthahns mit allem drum und dran. Wir genossen die Tage in Allegany in vollen Zügen und waren froh, einfach einmal nichts machen oder planen zu müssen. Mit Evelines Gastfamilie konnten wir zudem viele spannende Diskussionen über die amerikanische Gesellschaft und Politik führen und bekamen dadurch zusätzliche Einblicke in dieses Land, das wir nun ein halbes Jahr bereist haben, irgendwie aber immer noch nicht richtig begreifen können.

 

Der Abstecher nach Allegany war für uns ein perfekter Abschluss unserer Zeit in den USA. Nun blicken wir zurück auf ein halbes Jahr mit zahlreichen unvergesslichen Momenten und vielen Begegnungen mit wahnsinnig grosszügigen und liebenswürdigen Menschen.

Mit diesen tollen Erinnerungen im Gepäck machten wir uns so auf den Weg zu unserem neuen Abenteuer in Neuseeland.  

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